Leider leiden wir alle unter Realitätswahn. Die Werbung sagt: „Träumen sie nicht länger von Stränden und Palmen!“
Arcade Fire singt: „Sleeping is giving in,
no matter what the time is.
Sleeping is giving in,
so lift those heavy eyelids.“
Ich schenke den Singenden mehr Zeit und denke nach „everytime you close your eyes…“ was ist dann? Mehr Realität als die visuelle Aufnahme meiner Umwelt? Wenn das, was passiert, wenn ich meine Augen schließe, mehr Wert ist für mich, wenn ich daran glaube, dann ist es Realitätswahn. Das kann bestimmt keiner mit mir Teilen. Fern der Gemeinschaft bedeutet, Individuum. Störend, notwendig und doch stur dabei. Individuell eben. Keiner ist es gern und wenn, dann bleibt ein fader Beigeschmack von „punk“.
Lustigerweise will mein Mac aus „punk“, „pink“ machen oder es wenigstens GROß schreiben. Damit beschäftigt sich die Software??
„People say that your dreams
are the only things that save ya.
Come on baby in our dreams,
we can live on misbehavior.“
Da sind wir noch lange nicht am Refrain angelangt, denn den Kehrvers will Keiner hören. Ja, Keiner ist existent. Das würde die ganze gedachte Geschichte umkehren, also der Kehrvers.
Das wollen aber alle Künstler und damit auch alle Träumer. Umkehren, die Verse umkehren, um an die Wahrheit zu gelangen. Ist ja verrückt! Man kehre das Gesagte um und Schwupp! Wahrheit! Kann doch nicht sein!
„Every time you close your eyes
Lies, lies!
Every time you close your eyes
Lies, lies!
Every time you close your eyes
Lies, lies!
Every time you close your eyes
Lies, lies!“
Das dürfte Realitätswahn zur Genüge beschreiben.
Monat: Juni 2014
Konstruktiver Tag
StandardWenn alles Konstruktion ist, dann kann es sich auch jederzeit in Wissenschaftlichkeit auflösen. Wenn alles Konstruktion ist, dann brauch es ein Gegengewicht, etwas, was diese Konstruktion mit Mörtel füllt. Echtheit. Was ist denn echt? Handlungen sind echt, sie sind da, sie werden erlebt, als tatsächliche Erfahrungen. Oder sie werden erzeugt, durch den Handelnden, der diese dann wiederum erfährt. Die Auslegung, also wohin mit dem Mörtel, ist dann wieder Sache der Konstruktion. Sie selektiert zwischen den Handlungen. Welcher Handlung wird Bedeutung zugemessen und welcher nicht. Das hübsche an der Wissenschaft ist, dass sie diese Handlungen nutzen kann, sie aber nicht unbedingt sogleich ausführen muss. Sie lässt ausführen und konstruiert. Thesen und Theorien bauen die Hochhäuser unserer modernen Kultur. Konstruktion ist kontingent, das klingt schön. Eine schöne These. Was wäre die Handlung dazu? Sein Leben zu verändern? Zu zeigen, dass alles Konstruktion ist, indem man um-konstruiert? Weder notwendig, noch unmöglich, die Offenheit der Ereignisse wird zum Erlebnis. Doch damit wäre eher die Kontingenz bewiesen, die Konstruktion wird mit gezogen. Der Blick muss weiter gehen, denn der Beweis besteht schon lange. Er besteht in der Möglichkeit des Lebens verschiedener Leben. Individualität und ihr ausleben ist die letztendliche Handlung, die Konstruktion zur Wirklichkeit, unserer Wahrnehmung von Realität macht.
bravechord#1
StandardWarum sollte man etwas von sich preisgeben wollen? Schon den Satz mit einem Warum? zu starten erstickt den Willen im Wort. Plötzlich fühlt man sich nicht mehr so sicher. Warum nur? Mit-teilen stärkt da wieder die Seite des Willens. Als unteilbares (Individuum) Ich, als meine eigene Einheit, treibt mich doch der Wille zum Teilen, mein Paradox, an. So spiele ich mir den eigenen Streich von der Mär des Ich, das doch unterteilt wurde, vom Gott des Wahns- Freud. Über-Ich und Es und Ich. Gewissen, Trieb und Vernunft in ihrer heimlichen Kontingenz. Übereinstimmung, Möglichkeit und Ungewissheit in stetiger (oder auch unsteter) Autopoiese. Ich bin nicht nur Ich, vielmehr bin ich ein getarnter Steppenwolf, auf der Suche nach meiner Schafherde.
Schon sind ein paar Sätze formuliert und ausgetippt. Es geht nicht um universellen Nutzen (oder doch?). Es geht um die Transzendenz der Worte in meinem Kopf, die sich in Schrift erfassen lassen. Dieses Wunder der Realitätsschaffung treibt meine Feder an, unromantischer: lässt meine Finger auf die Tasten drücken. Durch die Schöpfung der Worte erweitere ich das, was in meinem Kopf unfassbar, ohne Materie und Ordnung, doch irgendwie existiert. Es bringt mich zurück an meinen Entstehungsmoment, Chaos und Ordnung im Strudel der Wahrscheinlichkeit. Nun bin ich vom Moment der Unsicherheit zur Erklärung meines Ursprungs gelangt. Der Wille zur Ordnung der Ereignisse droht zu dominieren.
Vergleicht man nun die Systeme Mensch-Psyche, Mensch-Gesellschaft, bleibt der Mensch als Konstante und die Psyche als Transzendenz des Individuums (die Erkenntnis „ich bin“) und Gesellschaft als Transzendenz von Gemeinschaft (ich bin, weil andere sind bzw. ich bin nicht allein), wobei Psyche und Gesellschaft dadurch nicht nur die eigene Existenz absichern (durch Bestätigung) sondern diese erst ermöglichen. Ohne ein Weiteres, entsteht kein Nächstes. Hier lässt sich eine Dichotomie, wie Chaos und Kosmos, erkennen, wobei der Mensch ohne Psyche und Gesellschaft Chaos bedeutet. Der menschliche Stern im universellen Kosmos ist die Psyche und diese in großer Anzahl (also viele Psychen zusammen) , ist Gesellschaft. Dies würde die „Abfärbungen“ psychischer Störungen auf Gesellschaft und ihre Formen, dies würde Übertragung und Gegenübertragung in jeder Hinsicht, bestätigen.
Das flüchtige, da sich ständig verändernde, Bild des Menschen, wird nach skizziert, um es genau diesem vor zu halten.
Wie die Frage um das Huhn oder das Ei, wird der Kreislauf zwischen Mensch und menschlichem Dasein nie aufzulösen sein, denn das würde Endlichkeit bedeuten, die letztendlich alle Motivation erschöpfen würde. Evolution entsteht durch Motivation, durch ein voran drängen, der Mensch versucht die Richtung zu erkennen, doch die spielt keine Rolle, denn sie ist nur ein Konstrukt, was das Vorankommen möglich erscheinen lässt (was auch als Mittel zur Reflexion genutzt werden kann, meist aber nur die Sicht vernebelt). Es geht nicht um die Richtung sondern um den Reisenden, der die Richtung einschlägt.