Realität und Freunde

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Die Realität ist eigentlich etwas abgestumpftes.
Alle absolut desensibilisierten Reize, also nur die, die auch wirklich noch übrig bleiben, akkumuliert zur massenhaften Tauglichkeit, das ist Realität.
Die kleinst mögliche Einheit, auf die sich auch der Letzte noch einigen kann.
Etwas sehr vages und abgestumpftes, fernab der sensiblen Wahrnehmung unserer individuellen Gefühle.
Etwas sehr billiges.
Gut und billig.
Nimmt man dies beim Worte, dann kommt man auch erst drauf: billig ist eigentlich etwas wohlwollendes und machbares.
Doch im Laufe der Zeit, im Laufen und Wachsen der Masse, wird es zu etwas hässlichem. Billig, ist irgendwie nicht ästhetisch.
So wie die Realität.
und ihre Freunde.

Mitternacht im Westen

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was passiert, was passiert?
was passiert nur um mich herum?
woran zerren die Menschen in der Welt?
was passiert mit ihrer Liebe?
was passiert mit ihrem Hass?
wo geh ich hin, wo will ich sein?
dunkel zerrt die Mitternacht an meinem Herzen.
ich lasse mich nur kurz auf sie ein, ein stiller Traum.
doch aufgewacht, was passiert?
ich kann nichts erkennen im Gewirr der Transparente.
es flackern vor meinen Augen die Sätze.
ich verstehe ihn nicht- den Aufruf der Gesellschaft,
er schallt an mir vorbei und ich rufe nicht zurück.
sind wir nicht die Gleichen- wie schon damals?
sind wir nicht schon immer so geworden- wir Menschen.
endet denn nicht jede wahrlich anmutende Heldentat in Tod und Teufel?
so ziehe ich mich zurück.
zurück zu meiner Liebe und zu meinem Hass.
ist es nicht das, was wir alle tun,
nur dass es gemeinsam umso größer erscheint?
was passiert, Feuer und Glanz, Götter und Verdammnis.
tiefe, tiefe Mitternacht,
so nimm mich auf und lass mich nicht untergehen-
im Getöse des Wandels.
denn hinterher wandeln wir doch nur wieder um uns selbst herum
und finden nichts,
was wir nicht schon im Anderen beschuldigt hätten.
was passiert, was passiert?

Ozean

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Und wenn alles von allem doch nur eine Metapher ist,

dann durchkreuze ich einfach nur einen Ozean.

Dann ist mein Gefährt mal Floß, mal Boot, mal Segelschiff.

Dann Schipper ich umher, vom trüben Gewässer auf die hohe See.

Alle Veränderungen um mich, in mir, doch nur ein weiteres Beispiel Leben zu umschreiben.

All meine Taten eine Auswahl, die für etwas anderes steht.

Die Zahl mein Richter, meine Mutter ein Dispositiv.

Mein Bestreben eine Metapher des Seins, die so oder auch anders, nur eben etwas anreisst und doch alles vereint.

So treibe ich vaterlos über den Ozean meiner Vorstellung und lasse mich gern treiben, kein Sturm kann mir die Aussicht trüben,

er ist doch eh nur eine weitere Beschreibung, für einen anderen Tag.