Das Radio fragt mich, wie ich leben will.
Warum sind alle unzufrieden und keiner macht was?
Glitzernd Metall blendet unsere Menschlichkeit?
Bedrucktes Papier regiert mein Handeln, muss mein Geist in Ketten wandeln?
Ich fasse den Gedanken zur Flucht, doch ich sitz ja schon mit 120kmh im Auto, schneller werden mich meine Beine nicht tragen können. Außerdem fahre ich zurück zum Ort meiner Behausung, zum Lebensmittelpunkt, da wartet die Wäsche. Keine Flucht, eher volle Kraft voraus, zur Wäsche.
Laundry on my wedding day.
Treibt uns das Kapital auseinander? Was vereint uns dann, ein abstrakteres Gut, als bedrucktes Papier? Worte? Gesten? Taten! Die waren bislang noch am verlässlichsten, was Einfluss angeht.
Ich denke: gutes tun, einfach gute Taten vollbringen. Würde ist das Gefühl als eigenständiges Wesen von anderen Wesen wahrgenommen zu werden. Keine Leihgabe, keine leere Hülle oder nur ein Arbeitsplatz. Arbeitskraft. Ich hätte gerne Marx gekannt. Hätte ich die Wahl, von allen Figuren, die, die Geschichte prägen, dann wärs Marx. Schopenhauer, der olle Grottenolm wäre da einfach zu unsozial.
Der Wille ist nicht frei.
Aber man kann es glauben.
Wenn ich an etwas glaube, dann erschaffe ich es auch. In uns, nicht in einem, sondern in allen Menschen ist das Reich Gottes. Wenn du glaubst, dann wird es Teil deiner Realität, es existiert in deiner Vorstellung, es existiert fortan in deiner Realität, du hast es so gewollt, auch ohne es zu Wissen, bist du Knecht deiner Vorstellungskraft.
Der Wille ist nicht frei, die Wäsche wartet.
Die Vorstellung, die einst von so vielen geteilt, so fest daran geklammert und geglaubt, dass eine heilige Ordnung uns alle retten wird.
Diese Hierarchie, etwas übergeordnetes, das über unser Treiben wacht, rüttelt mich des Nachts aus dem tiefen Traum. Aber dann waren es doch nur meine Synapsen, die da was erschaffen haben. Die Vorstellung einer Macht, die etwas erschafft, im Ursprung uns selbst. Sei es Gott oder die Freiheit, sei es Geld oder der Wille, nichts ist ohne Gegenpol, alles erschafft sich selbst, aus der Vorstellung von Materie entspringt ein Planet.
Jetzt ist das ja alles schön und gut soweit, doch die Reproduktion unseres selbst nahm eine böse Wendung.
Feindlich, parasitär winden wir uns um den Erdball und fallen ihm zur Last!
Unsere Feinde sind die schlimmsten Schatten: wir selbst und Krankheit.
Krankheit, die uns erfasst, zum Spielball des Zufalls werden lässt und uns reinwirft ins eigentliche Chaos, was neben der heiligen Ordnung lauert.
Lässt es sich denn abwenden das Ende? Oder ist die Vorstellung schon zu nah? Ist die Vorstellung schon zu Ende?
Was wir wollen, liegt in unserer Vorstellungskraft, an die wir glauben, die eine Richtung einschlägt, von der wir nichts wissen. Wir sind Truchsessen unseres eigenen Königreichs.
Ich geh meine Wäsche machen, auch am Hochzeitstag, denn am Ende ist es nicht mein Wille, sondern meine Gestalt, die sich frei bewegen kann.