Augen zu

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Augen auf, mit einem Gefühl.

Augen auf, Wahrnehmung an.

Augen auf, Augen- schlag, so schmerzhaft, wie ein Schlag ins Gesicht.

Realität schlägt mir ins Gesicht.

Doch es war nur ein Gefühl, ein Gefühl, das mir die Augen öffnet.

Sprache dreht sich im Kreis, bis keiner mehr weiss, was es heisst,

die Augen zu öffnen.

Sprache dreht sich vor meinen Augen.

Wie kann ich Worte verstehen?

Die Worte, die in mein Ohr wollen,

mein Hirn zur Verarbeitung zwingen?

Wenn ich es doch nicht hören will, bin ich still mit einem Lächeln.

Und mach die Augen auf und sehe mich zum ersten Mal. Schweigen und Lächeln.

Das, was ich zu sagen haben, betrifft nur mich, das, was du zu sagen hast, betrifft nur dich,

komm lass uns schweigen, dann machen wir was zusammen.

I deny

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ich verweigere mich, nicht verschwenden

ich ersteigere dich, nicht auf Händen

ich verweigere mich, dieser Art

dieser Art, der wir huldigen, die wir anpreisen

in rasender Wut, will ich alles verweigern, nichts mehr mit machen, diese Art

sie hat mich verraten, mich zurück geworfen, als elendiges Tier,

liege ich nun auf der Schwelle der Müllberge, die wachsen,

durch meine Art,

zu Leben

diese Art zu erleben,

ich verweigere mich, mit Händen

und Füßen trete ich um mich, bis alles verschwunden,

ich verschwende meine Energie, nur um zu Leben

ich verweigere mich,

diese Art weiter anzustreben.

Eigentlich sitze ich ganz friedlich am Frühstückstisch und denke parallel zu diesem Text an eine Tasse Kaffee.

Nur kommt diese aus dem Kaffee-Automaten, den ich gerade gelobt zu verweigern.

So verschwende ich weiter, mit vollen Händen,

das Herz ganz still,

die Uhr tickt,

auch ohne Metaphern,

bringt sie zum Ausdruck, was hinter dem steckt, was ich die ganze Zeit verweigere-

I deny myself,

destroy the earth,

laugh out loud,

on a sunny day,

 I pray to god,

believe in love,

deny all I believe in,

wont stop praying,

for a better time,

a better way,

to describe this feeling,

we`re all going down

and meet ourselves in the shadow of a crypt,

to begin again,

and deny myself.

this song is about happiness

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ich weiss nie, wie was endet.
das ende verwundert mich.
verwundet mich.
es ist ja auch nie zu ende, es zerfällt in scherben oder so.
wie man es will, wie man es nimmt,
da helfen keine vergleiche, es gibt so viele sprüche über ereignisse, geschichten über geschichten, die enden.
beziehungen, freundschaften, wohnungen, autos, zigaretten, weinflaschen, songs.
in absteigender reihenfolge zusehens angenehmer.
über anfänge werden große reden geschwungen, da unterhält man sich gern drüber und mit.
das ende kommt meist viel zu kurz, obwohl es immer am längsten dauert.
der anfang ist nur ein moment, ein augenzwinckern.
das ende erwarten wir den ganzen film über.
im leben da erwarte ich es nicht, vielleicht fürchte ich es, doch ich rechne garantiert nicht damit.
immer wieder frohen mutes, aller anfang ist nah.

Regenwolken über Frankreich

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Über Portugal wird klar, dass ein Perspektivwechsel, eine Raumveränderung, einiges in der Menschheitsgeschichte bewirkt hat.
Wir fliegen über den Wolken, ich sehe kleine, weiße Flecken, als menschliche Zusammenrottungen auf der Erdkruste.
Wir bedürfen einander so sehr und geben es doch nie zu.
Lieber bekunden wir unsere Bedürfnisse durch Zerstörung.
Der vermeintliche Sieg über ein anderes Dasein ist erstrebenswerter als dessen freie Zuneigung?
Wohl kaum, doch auf jeden Fall einfacher.
Je enger die Grenzen der Kultur, der Entfaltung des Kindes, je enger die Möglichkeit in Freiheit Zuneigung zu entfalten und zu empfinden.
Selbst die Freiheit… kämpft zeitlebens um ihren Status, der Wille funkt dazwischen und pflegt das Image, zu groß die Erwartung an ihre Rolle, frei zu sein, das Ego regnet vom Himmel.
Zurückhaltung sei eine Tugend und verschafft den Blick. Kann ich mich aus eigener Motivation zurück halten, so habe ich Platz zum Freisein? Platz für Zuneigung? Kann ich mich neigen in der Enge der Kulturen?
Religion will uns vor uns selbst beschützen, so wird sie zur ärgsten Waffe, zum Feind über meinem Bett, oh Gott.
Die Aggression unseres Geistes ist zügellos ohne Zurückhaltung, ohne den Blick. Den Augenblick der Freiheit.
Gebirgsketten und Meere unterbrechen die Siedlungen, wollen in Ruhe gelassen werden, ewig sein.
Nur Worte überwinden sie mühelos
und Flugzeuge,
sind nicht für die Ewigkeit.
Portugal liegt hinter mir und Frankreich unter mir und ich denke,
je suis Charlie, bin ich nicht als freier Geist, bin ich in diesen Zeiten ohne einen Blick, hab ich zu gesagt.
Ich halte mich zurück und Blicke auf dieses Land und denke an Geschichten von Ländern und Gebirgsketten. Denke an unmögliches und fliege durch die Luft, getragen von chemischen Verbindungen, Geheimnissen des Universums. Unten, da rebellieren die Geister und sie scheiden sich in ihrer doch so unfreien Meinung, sie neigen sich nicht. Und so lange sie sich nicht neigen, werden sie nicht zueinander finden.
Herum tappen in ihrem sich wiederholenden Atemzug, hecheln im Schweiße ihres eigenen Angesichts.
Vor Wände rennen, die sie selbst erbaut haben und das immer gleiche Zeichen doch wieder zwanghaft deuten, immer wieder die Lesart verändern, als Lebensaufgabe.
Das Leben aufgeben ohne einen Blick geworfen zu haben, einen Blick auf die grauen Regenwolken, der alles verändern könnte, dieser Blick auf unsere Welt.

brave line, thin ice

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An die Tugend deinen Geist zu deinem Gott zu machen.
Die uralte, heilige Ordnung anzuerkennen, die deinen Körper, mit deinem Leben, und deinem Geist verbindet.

Vater, Sohn und heiliger Geist,

– den Glauben endlich als Metapher unseres Daseins zu erkennen.
Zu erkennen, dass sich nicht alles um uns selbst dreht, sondern auch davon weg drängt.
Leichtfertig im Lachen, still im Schweigen, sanft das Haupt zu neigen.
Die Tugend der Gerechtigkeit, ich neige mein Haupt und gebe ihm Platz.
Diesem Moment der Erkenntnis.
Ich rücke von ihm ab, um ihn zu erkennen, neige deine Gedanken.
Neige sie dem Ungewissen zu, die Gedanken.
Wie bei einem guten Musikstück, folge ich dem Takt die Treppe der Ewigkeit hinauf. Nicke mit dem Kopf, neige mein Haupt, verliere meine Gedanken im Tanz.
Du Mensch in tiefer Mitternacht.
Tappst du umher, dir selbst und anderen auf den Füßen. Du wirst sie nicht finden, die Weisheit.
Sie wird dich nicht suchen, die Erkenntnis.
Stecke ein, halt die Wange hin und du wirst fort bestehen, in tausend Formen, in tausend Nächten, noch in tausend Jahren.

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Ohne Worte
Die fehlen mir, je länger ich lebe, je weniger Worte habe ich zur Verfügung.
Ist das vielleicht der Grund, warum wir uns mit allen Mitteln gegenseitig ablenken von unserer Existenz?
Keiner will es glauben! Niemand kann es beschreiben!
Ich versuche es ohne die richtigen Worte:
Getrieben von der Nacht, die hinter meinem Geist wohnt, versuche ich, mich im Spiegel zu ignorieren.
Metaphern haben wohl bewegende Eigenschaften. Sie stiften Sinn ohne, dass es bemerkbar würde.
Sie konjunktivieren sich, denn niemals könnten sie sich erdreisten etwas tatsächlich zu erfassen.
Alles will frei sein.
Freiheit scheint die Bedingung einer möglichen Form.
Absolut sind nur die Zahlen, die wir versklaven und einsetzen zu unseren Gunsten.
Doch das ist auch nur Schein. Recht und billig erscheinen diese Zahlen, doch sie wirken mit aller Macht.
Ins Gegenteil.
Direkt in unserer Mitte, in der Magengrube, wartet die Überraschung.
Wir alle wünschen uns was bestimmtes, obwohl wir alle wissen, dass es eine Überraschung bleibt, das Ergebnis.
Egal welcher Gleichung.
Nie sind die Herren ganz Herrscher über ihre Knechte. Immer bleibt der Moment des Getratsches in der Gesindekammer unentdeckt.
Je mehr meine Worte von Freiheit erzählen, je mehr wandeln sie sich in endlicher Weise. Sie kompensieren die Freiheit durch Endlichkeit. Setzen Punkte, um das Ende zu beschwören.
Drücken etwas aus, dessen ich mir irgendwann bewusst werde.
Keiner will es glauben! Niemand kann es beschreiben!
Es heisst der Blick eröffnet Welten, wenn er Distanz bewahrt.
Es heisst, wir alle erfüllen einen Sinn mit unserem Dasein.
Es heisst, jemand wird kommen mit den richtigen Worten.
Derweil beschäftigen sich alle mit ihrer eigenen, endlichen Existenz und vergessen sie gleichzeitig.
Woran sollen wir uns erinnern?
Schau deinem Gegenüber ins Gesicht, vielleicht fällt es dir wieder ein.

Realität und Freunde

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Die Realität ist eigentlich etwas abgestumpftes.
Alle absolut desensibilisierten Reize, also nur die, die auch wirklich noch übrig bleiben, akkumuliert zur massenhaften Tauglichkeit, das ist Realität.
Die kleinst mögliche Einheit, auf die sich auch der Letzte noch einigen kann.
Etwas sehr vages und abgestumpftes, fernab der sensiblen Wahrnehmung unserer individuellen Gefühle.
Etwas sehr billiges.
Gut und billig.
Nimmt man dies beim Worte, dann kommt man auch erst drauf: billig ist eigentlich etwas wohlwollendes und machbares.
Doch im Laufe der Zeit, im Laufen und Wachsen der Masse, wird es zu etwas hässlichem. Billig, ist irgendwie nicht ästhetisch.
So wie die Realität.
und ihre Freunde.

Mitternacht im Westen

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was passiert, was passiert?
was passiert nur um mich herum?
woran zerren die Menschen in der Welt?
was passiert mit ihrer Liebe?
was passiert mit ihrem Hass?
wo geh ich hin, wo will ich sein?
dunkel zerrt die Mitternacht an meinem Herzen.
ich lasse mich nur kurz auf sie ein, ein stiller Traum.
doch aufgewacht, was passiert?
ich kann nichts erkennen im Gewirr der Transparente.
es flackern vor meinen Augen die Sätze.
ich verstehe ihn nicht- den Aufruf der Gesellschaft,
er schallt an mir vorbei und ich rufe nicht zurück.
sind wir nicht die Gleichen- wie schon damals?
sind wir nicht schon immer so geworden- wir Menschen.
endet denn nicht jede wahrlich anmutende Heldentat in Tod und Teufel?
so ziehe ich mich zurück.
zurück zu meiner Liebe und zu meinem Hass.
ist es nicht das, was wir alle tun,
nur dass es gemeinsam umso größer erscheint?
was passiert, Feuer und Glanz, Götter und Verdammnis.
tiefe, tiefe Mitternacht,
so nimm mich auf und lass mich nicht untergehen-
im Getöse des Wandels.
denn hinterher wandeln wir doch nur wieder um uns selbst herum
und finden nichts,
was wir nicht schon im Anderen beschuldigt hätten.
was passiert, was passiert?

Ozean

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Und wenn alles von allem doch nur eine Metapher ist,

dann durchkreuze ich einfach nur einen Ozean.

Dann ist mein Gefährt mal Floß, mal Boot, mal Segelschiff.

Dann Schipper ich umher, vom trüben Gewässer auf die hohe See.

Alle Veränderungen um mich, in mir, doch nur ein weiteres Beispiel Leben zu umschreiben.

All meine Taten eine Auswahl, die für etwas anderes steht.

Die Zahl mein Richter, meine Mutter ein Dispositiv.

Mein Bestreben eine Metapher des Seins, die so oder auch anders, nur eben etwas anreisst und doch alles vereint.

So treibe ich vaterlos über den Ozean meiner Vorstellung und lasse mich gern treiben, kein Sturm kann mir die Aussicht trüben,

er ist doch eh nur eine weitere Beschreibung, für einen anderen Tag.

Laundry on my wedding day

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Das Radio fragt mich, wie ich leben will.
Warum sind alle unzufrieden und keiner macht was?
Glitzernd Metall blendet unsere Menschlichkeit?
Bedrucktes Papier regiert mein Handeln, muss mein Geist in Ketten wandeln?
Ich fasse den Gedanken zur Flucht, doch ich sitz ja schon mit 120kmh im Auto, schneller werden mich meine Beine nicht tragen können. Außerdem fahre ich zurück zum Ort meiner Behausung, zum Lebensmittelpunkt, da wartet die Wäsche. Keine Flucht, eher volle Kraft voraus, zur Wäsche.
Laundry on my wedding day.
Treibt uns das Kapital auseinander? Was vereint uns dann, ein abstrakteres Gut, als bedrucktes Papier? Worte? Gesten? Taten! Die waren bislang noch am verlässlichsten, was Einfluss angeht.
Ich denke: gutes tun, einfach gute Taten vollbringen. Würde ist das Gefühl als eigenständiges Wesen von anderen Wesen wahrgenommen zu werden. Keine Leihgabe, keine leere Hülle oder nur ein Arbeitsplatz. Arbeitskraft. Ich hätte gerne Marx gekannt. Hätte ich die Wahl, von allen Figuren, die, die Geschichte prägen, dann wärs Marx. Schopenhauer, der olle Grottenolm wäre da einfach zu unsozial.
Der Wille ist nicht frei.
Aber man kann es glauben.
Wenn ich an etwas glaube, dann erschaffe ich es auch. In uns, nicht in einem, sondern in allen Menschen ist das Reich Gottes. Wenn du glaubst, dann wird es Teil deiner Realität, es existiert in deiner Vorstellung, es existiert fortan in deiner Realität, du hast es so gewollt, auch ohne es zu Wissen, bist du Knecht deiner Vorstellungskraft.
Der Wille ist nicht frei, die Wäsche wartet.
Die Vorstellung, die einst von so vielen geteilt, so fest daran geklammert und geglaubt, dass eine heilige Ordnung uns alle retten wird.
Diese Hierarchie, etwas übergeordnetes, das über unser Treiben wacht, rüttelt mich des Nachts aus dem tiefen Traum. Aber dann waren es doch nur meine Synapsen, die da was erschaffen haben. Die Vorstellung einer Macht, die etwas erschafft, im Ursprung uns selbst. Sei es Gott oder die Freiheit, sei es Geld oder der Wille, nichts ist ohne Gegenpol, alles erschafft sich selbst, aus der Vorstellung von Materie entspringt ein Planet.
Jetzt ist das ja alles schön und gut soweit, doch die Reproduktion unseres selbst nahm eine böse Wendung.
Feindlich, parasitär winden wir uns um den Erdball und fallen ihm zur Last!
Unsere Feinde sind die schlimmsten Schatten: wir selbst und Krankheit.
Krankheit, die uns erfasst, zum Spielball des Zufalls werden lässt und uns reinwirft ins eigentliche Chaos, was neben der heiligen Ordnung lauert.
Lässt es sich denn abwenden das Ende? Oder ist die Vorstellung schon zu nah? Ist die Vorstellung schon zu Ende?
Was wir wollen, liegt in unserer Vorstellungskraft, an die wir glauben, die eine Richtung einschlägt, von der wir nichts wissen. Wir sind Truchsessen unseres eigenen Königreichs.
Ich geh meine Wäsche machen, auch am Hochzeitstag, denn am Ende ist es nicht mein Wille, sondern meine Gestalt, die sich frei bewegen kann.